Die Griechen heben ab

und zwar ihr Geld von den Banken. Laut WSJ haben die Griechen allein am Montag nach der gescheiterten Regierungsbildung in Griechenland ca. 700 Milionen Euro abgehoben. Das ist die Psychologie in der Krise: Rette, was zu retten ist. Das Problem ist nicht neu, denn laut dem Artikel fließen von griechischen Banken seit 2009 pro Monat zwischen 2-3 Milliarden Euro in andere Länder ab und deren Eigenkapital erreicht so langsam überschaubare Größen.

Demokratie hat viele Vorteile, aber eben auch einen Nachteil, der in Griechenland gerade sichtbar wird. Während in Italien eine Regierung nach Kompetenzkriterien gebildet wurde, haben in Griechenland die Extreme einen starken Zulauf, da die bürgerlichen Parteien es in den letzten Jahren nicht geschafft haben, die Bevölkerung von der Notwendigkeit des radikalen Sparkurses zu überzeugen. Das ist sogar verständlich, angesichts der sozialen Einschnitte bei gleichzeitiger Unfähigkeit der Behörden, das bereitgestellte Geld überhaupt abzurufen, weil sie mangels Wissen mit den Regeln dafür überhaupt nicht klar kommen. Berlin, Bremen und das Saarland sind im Verhältnis sehr viel höher verschuldet, als Griechenland, aber hier klappt es mit dem Länderfinanzausgleich. Das Absurde ist, dass so in Griechenland durch die EU-Hilfen die griechischen Staatsschulden erhöht werden, bei gleichzeitiger weiterer Schwächung der Wirtschaftskraft durch Senkung des Mindestlohns und Erhöhung der Arbeitslosigkeit. Manchmal kommt es mir so vor, als wäre es Wille der höchsten Ränge der Politik, den Euro zu verlassen.

Die Kluft in der Eurozone wird immer größer: Während Deutschland einen kleinen Wirtschaftsboom erlebt, versinkt Griechenland im Bankrott. Italien kämpft gegen eine Rezession und in Spanien sieht es ähnlich aus. Spanien hat kein Schuldenproblem, sondern muss Strukturveränderungen vornehmen, um wieder international wettbewerbsfähig zu werden. Die Krise von 2007 bis 2009 hat uns 500 Milliarden Euro Neuverschuldung gekostet. Das meiste davon ist in Konjunkturmaßnahmen geflossen. Noch so eine Krise können wir nicht finanzieren. Die nächsten Stellschrauben wären eine drastische Erhöhung der Inflationsrate in Kombination mit vielen neuen Schulden und Steuererhöhungen. Wir können also nur dafür sorgen, dass Griechenland nicht pleite geht, und Konjunkturhilfe statt neuer Schulden bekommt, obwohl eine Staatspleite, wie sie beispielsweise Argentinien seinerzeit erlebt hat, nicht der Weltuntergang ist und nach ein paar Jahren der Durststrecke Großes hervorbringen kann. Phönix aus der Asche…

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