Behinderte werden in Paderborn behindert

Heute morgen wurde meine Frau der Notfallambulanz in Paderborn verwiesen. Vorgeblich wegen des Allergiepotenzials des mitgeführten Behindertenbegleithundes. Ein Gespräch mit dem Leiter der Einrichtung war nicht möglich, den Träger der Einrichtung haben wir inzwischen schriftlich um Stellungnahme gebeten. 

Meine Frau hat Epilepsie und wir haben seit fünf Jahren einen Hund, der Anfälle sehr pünktlich eine halbe Stunde vorher anzeigt. Seine Trefferquote liegt bei einhundert Prozent. Die einzige Voraussetzung ist, dass er permanent anwesend ist.

Ich wundere mich immer wieder, wie unterschiedlich Behinderte mit Begleithund in verschiedenen Kreisen und Städten behandelt werden. Insbesondere im medizinischen Bereich ist das sehr auffallend. So mussten wir beispielsweise zehn Tage vor den berechneten Entbindungstermin ein neues Krankenhaus suchen, da der Klinik im Kreis Paderborn plötzlich einfiel, dass aus hygienischen Gründen ein Hund nicht mit dabei sein könne. Unsere Erfahrungen mit dem Krankenhaus in Bielefeld, wo wir knapp zweieinhalb Jahre zuvor den Hund bis in der Kreissaal mitnehmen konnten, spielten ebenso wenig eine Rolle, wie die vorgelegten modernen Studien, die gesunde Hunde vom hygienischen Standpunkt her als unbedenklich einstufen. Vor drei Monaten hat uns dann das Krankenhaus im benachbarten Kreis Lippstadt ohne Vorbehalte ermöglicht, mit Hund im Kreissaal zur Entbindung zu sein. Heute, am Fest der Nächstenliebe dann bei der Notfallambulanz vor mit Borniertheit verschlossener Tür zu stehen, war dann doch zuviel des Erträglichen.

Ich frage mich, ob es sinnvoll wäre, eine Karte der medizinischen Versorgungseinrichtungen und Ärzte für Menschen mit Behindertenbegleithund zu erstellen, analog zu Raul Krauthausens genialer Wheel Map

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Published in: on 25. Dezember 2011 at 15:46  Comments (6)  
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6 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. News zu Paderborn…

    Behinderte werden in <b>Paderborn</b> behindert « Der <b>…</b>…

  2. Update: Gestern habe ich erfahren, dass unser regulärer Kinderarzt regelmäßig in der Kindernotfallambulanz in Lippstadt tätig ist. Dort ist unser Hund nachweislich kein Problem.

  3. Update: Heute hat sich der Träger der Notfallambulanz Paderborn gemeldet. Sie werden jetzt die Beschwerde bearbeiten…

    *aufdieuhrguck* heute ist der 05.03.2012

  4. Wo ist das Problem? Wer nicht in die Ambulanz kommen kann, zu dem kommt der Arzt nach Haus. Dafür gibt es den ärztlichen Notdienst.
    Deine Frau wäre schnell und problemlos behandelt worden und Menschen mit Tierhaarallergie wären in der Ambulanz nicht unnötig gefährdet worden.

    • @Nikki
      Bei uns gibt es als Alternative zur Notfallambulanz den Rettungsdienst, der dann auch nur für die Fahrt ins Krankenhaus zuständig ist. Hätte es einen Arzt gegeben, der am ersten Weihnachtstag Hausbesuche gemacht hätte, wären wir wohl auf den Gedanken gekommen, den zu bemühen.

  5. Ja, das Stichwort ist „Freiheit“, wie in einem durchaus vergleichbaren Fall hier zu lesen ist: http://www.derwesten.de/staedte/essen/blindenhund-darf-in-essen-nicht-mit-ins-aalto-und-die-philharmonie-id6593210.html


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