Riesterrente abgemeldet?

Das Magazin Cash betrachtet eine Studie des Marktforschungsunternehmens Toluna. Demnach büßt die Riesterrente immer mehr an Rennomee ein. Statt dessen setzt ein Drittel der Deutschen auf das selbstgenutzte Wohneigentum. Ehrlich gesagt kann ich das nicht verstehen, denn spätestens wenn der letzte Wohnriesterbausparvertrag ausbezahlt wurde, werdet ihr sehen, dass man Steine und Beton nicht essen kann…

Nee, mal im Ernst: Der Riesterdschungel ist fürchterlich und man sollte dringend darauf achten, was man kauft und unbedingt vergleichen, bzw. einen wirklich echten, unabhängigen Makler vergleichen lassen. Die gruseligsten Varianten:

Platz 1: Wohnriester
Hier wird die Förderung in einen Bausparvertrag geleitet. Die Verzinsung habe ich bei noch keinem Wohnriester bei mehr als 1,0 Prozent gesehen. Da sehe ich an den Zahlen mit Garantie, dass ich weniger Rendite bekomme, als mir die Inflation wegfrisst. Abgesehen davon reichen bei kürzeren Laufzeiten die Zinsen nichteinmal aus, um die Abschlusskosten zu auszugleichen. Dafür bekomme ich am Ende ein Darlehen oder ein Guthaben, dass ich für nachzuweisende wohnwirtschaftliche Zwecke einsetzen darf. Ich glaube eine zweckfremdere Verwendung gibt es nicht für eine vom Gesetzgeber erzeugte Lücke in der gesetzlichen Altersvorsorge. Irgendwie scheinen die Leute alle zu glauben, eine alternde Immobilie bräuchte keine Pflege und keinen Unterhalt und daher wäre auch keine Rente nötig, von der man das bezahlen könnte…

Platz 2: Banksparplan
Banksparpläne sind zwar kostengünstig aber zinsniedrig. Für jemanden, der in 7 Jahren oder weniger in Rente geht, kann man die in Betracht ziehen, ansonsten würde ich nicht dazu raten. In Betracht ziehen kann man sie deshalb, weil geringe Guthaben als Einmalauszahlung abgefunden werden können. Beispielsweise kann ich bei 5.000 Euro Guthaben 1.500 Euro entnehmen und der Rest ist dann zu klein, um eine Rente zu bilden und so bekommt man die komplette Summe ausbezahlt. Es ist einfach völlig unklar, was da am Ende als Rente raus kommt, denn Banksparpläne können einfach keine Rente erzeugen, nur Auszahlpläne.

Wie sieht so ein Auszahlplan aus? Das am Ende für die Rente zur Verfügung stehende Guthaben wird geteilt. Ein Teil wird als Einmalbeitrag in eine Rentenversicherung gezahlt, die eine Rente ab dem Alter 85 auszahlt. Der andere Teil wird als monatlicher Auszahlplan bis zum Alter 85 unter Kapitalverzehr ausgezahlt. Beides muss so aufeinander abgestimmt sein, dass die Rente konstant bleibt oder je nach Tarifmodell mit der Zeit einen dynamischen Anstieg hat. Eine Rentenversicherung, die mit 65 oder 67 erst beginnt und mit 85 ausläuft hat i.d.R. ungünstigere Konditionen, als eine, die mit 35 beginnt und mit 65 oder 67 auszahlt.

Platz 3: Die klassische Rentenversicherung
Legaler Betrug ist auch bei Riesterverträgen zu finden: Hohe laufende Kosten lassen eine verzinsliche Ansammlung bei 2,25 Prozent, demnächst nur noch 1,75 Prozent sehr spät in die Gewinnzone kommen.

Platz 4: Der Fondssparplan
Auch der glänzt mit geringen Kosten, hat bei guten Fonds oder intelligenten Fondswechselstrategien gute Chancen eine Menge Kapital aufzubauen, steht am Ende aber wie der Banksparplan vor dem Dilemma des Auszahlplanes. Zusätzlich gibt es hier das Risiko der Cash Lock Falle. Wird zwischen Aktien und Rentenpapieren umgeschichtet, gibt es manche Vertragsformen, die in Krisenzeiten zwar in Rentenpapiere umschichte, in besseren Zeiten aber nicht wieder zurück in den Aktienbereich gehen und damit zum einen Verluste realisieren und zum anderen alle paar Jahre den Zinseszinseffekt töten, so dass trotz guter Fonds über die Gesamtlaufzeit nur spärliche Gewinne anfallen.

Platz 5: statische Hybridmodelle
Das sind klassische Rentenversicherungen, die den Garantieteil erwirtschaften sollen in Kombination mit fondsgebundenen Versicherungen, die mit einer guten Aktienanlage eine Rendite oberhalb der Garantieleistungen schaffen sollen. Der Nachteil sind die hohen Kosten, insbesondere im klassischen Teil und die Aufteilung. Oft sind auch in börsentechnisch guten Zeiten mehr als 80 Prozent des Guthabens im klassischen Anteil hinterlegt und weniger als 20 Prozent müssen für eine Rendite von mehr als 2,25 Prozent sorgen. Eine Rendite von mehr als 4 Prozent ist da kaum zu schaffen…

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