Tipps zu Riester und Rürup

Angeregt durch die Diskussion ein paar Beiträge früher möchte ich ein paar Tipps zum Aufbau einer sinnvollen Altersvorsorge geben. Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass man sein Geld in möglichst viele Anlageklassen investieren sollte. Ein gesundes Portfolio in Aktienfonds, dass man in vermögenswirksamen Leistungen schon für kleines Geld beginnen kann und vom Staat mit 20 % gefördert bekommt, gehört für mich ebenso dazu, wie die Anlage in Beteiligungen mit einem möglichst guten Sicherheitskonzept und natürlich Versicherungslösungen. In diesem Beitrag werde ich auf die Vorteile der Riester- und der Rüruprente eingehen und zeigen, auf was man dabei achten sollte, um einen respektablen Nettogewinn zu erreichen.

Die Rüruprente ist eigentlich ganz einfach: Es ist eine kapitalgedeckte private Rentenversicherung als Gegegstück zur Gesetzlichen Rente. Es bekommt nur der Beitragszahler und es wird ausschließlich eine Rente gezahlt. Der Vorteil: Die eingezahlten Beiträge sind das Minimum, das zum Renteneintritt zur Verfügung stehen muss. Es gibt eine Steuerbegünstigung in der Ansparphase, die den Vermögensaufbau erleichtert oder wenn man es geschickt anstellt auch beschleunigt. Selbst der schlechteste Rürupvertrag ist weitaus ertragreicher, als die Gesetzliche Rentenversicherung. Man kann beim richtigen Produkt die Rüruprente auch an den Ehepartner vererben. In der Ansparphase ist das gebildete Kapital Hartz-IV- und insolvenzsicher, es bleibt einem also tatsächlich bis zum Renteneintritt. Eine Berufsunfähigkeitsabsicherung kann man im Vertrag einschließen, was ich aber nicht für einen Vorteil halte! Der Nachteil: Da das gebildete Kapital nur als Rente ausgezahlt wird, ist die Flexibilität beschränkt und die nachgelagerte Besteuerung verringert die Nettorente.

Worauf muss man also bei der Rüruprente achten:

  • Man kann zwischen sehr sicheren aber renditeschwachen klassischen Rentenversicherungen, renditestarken aber schwer vorhersagbaren Ergebnissen in Fondspolicen, Mischkonzepten aus diesen beiden (sog. Hybridmodelle) und intelligentem Fondsmanagement wählen. Letzteres ist für mich immer erste Wahl, da diese Produkte auf das Alter des Beitragszahlers und die Entwicklung an der Börse dynamisch reagieren und börsentäglich zwischen vertretbarem Risiko und Anlage in sicheren Rentenpapieren ausgleichen.
  • Ein Hinterbliebenenschutz sollte enthalten sein.
  • Eine Berufsunfähigkeitsabsicherung ist sinnvoller, wenn sie nicht als Zusatzversicherung in einer Rüruprente enthalten ist, sondern eigenständig als sog. selbstständige Berufsunfähigkeitsabsicherung abgeschlossen wird.

Riestern ist eigentlich nicht viel komplizierter. Eigentlich. Die Riesterrente soll letztlich die Rentenkürzung von 4 % füllen, die durch die letzte große Rentenreform entstanden ist. Der Vorteil: Die eingezahlten Beiträge sind die garantierte Mindestleistung. In der Ansparphase bekommt man als Renditeturbo Zulagen, die direkt in den Sparplan einfließen. Zudem gibt es unter bestimmten Voraussetzungen auch noch zusätzliche Steuervorteile. Es besteht bei Renteneintritt ein Kapitalwahlrecht von bis zu 30 %, so dass man zwischen 70 und 100 % verrenten lassen kann und den Rest als Einmalauszahlung erhält. Wählt man eine geschickte Anlageform und bespart diese strategisch, so kann man eine beachtliche Rente generieren, die die 4 % Rentenkürzung problemlos übersteigt und auch hier wesentlich ertragreicher ist, als  die Gesetzliche Rente. Auch die Riesterrente ist in der Ansparphase vor Hartz-IV und Insolvenz sicher. Man kann den Riestervertrag als Wohnriester für den Erwerb eines Eigenheims verwenden, was nur sehr begrenzt ein Vorteil ist. Der Nachteil ist: Es gibt inzwischen eine ganze Reihe von Produkten und Anlageformen, die nicht nur unübersichtlich sind, sondern auch sehr unterschiedliche Renditen erzielen. Einmalauszahlung und Rente sind zu 100 % steuerpflichtig.

Beim Riestern muss man eigentlich nur auf das geeignete Produkt achten. Das ist im Dschungel aus Werbeversprechen gar nicht so einfach.

  • Ältere Verträge haben noch einen Garantiezins. Der frisst in der Regel reichlich Rendite.
  • Wenn man in Rente geht, wird die Auszahlung versteuert. teuern und Sozialabgaben werden in Deutschland nicht fällig, wenn man im europäischen Ausland wohnt, was für potenzielle Auswanderer ein Anlass sein kann, sich mit der Renten- und Steuersituation des Landes der Wahl einmal näher zu beschäftigen.
  • Was ich persönlich für völlig ungeeignet halte, ist der Wohnriester als Bausparvertrag. Da liegen dieselben Schwächen vor, die ich in einem anderen Beitrag bereits ausgeführt habe: Eine miserable Rendite, die eine Baufinanzierung unterstützen soll. Effizienter ist der Wohnriester bei einer intelligenten Hypothekenvortilgung in einer dynamisch investierenden Fondspolice, da diese mit einer realistischen Renditeerwartung von um die 6 % sehr viel effizienter ist, als die mickigen Guthabenszinsen im Bausparvertrag und wenn ich zufällig zwischenzeitlich doch noch zu Geld komme, mit dem ich den Kredit für das Haus tilgen kann, bleibt mir immer noch die Rente. Am Ende bleibt beim Wohnriester nichts mehr für eine Rente übrig und essen kann man Steine auch nicht. Wer den Wohnriester tatsächlich benötigt, um in die eigenen vier Wände zu kommen, sollte sich schon einmal darauf vorbereiten, als Rentner die Immobilie wieder zu verkaufen, um nicht zu verhungern…
  • Banksparpläne setze ich auf Platz zwei der unrentablen Riestervarianten. Hier wird mit einer Rendite knapp über Tagesgeldniveau zwischen 2 und 4 % ein Vermögen aufgebaut, dass gerade so einen Inflationsausgleich darstellt. Wenn man dann in Rente geht, wird das bebildete Kapital geteilt. Wie, das ist von Bank zu Bank unterschiedlich. Es ist aber nicht unüblich, dass zwei Drittel des Kapitals als  Entnahmeplan ausgezahlt werden, während ein Drittel in eine Rentenversicherung als Einmalanlage zu 2,25 % Rendite investiert wird. Der Entnahmeplan läuft, bis der Rentner 85 Jahre alt ist, dann springt die Rentenversicherung ein und zahlt zu vergleihsweise schlechten Konditionen für den Rest des Lebens unseres Rentners.
  • Klassische Rentenversicherungen zu 2,25 % garantierter Rendite haben wenigstens noch einen guten Rentenfaktor, leisten also voraussichtlich eine höhere Rente für das angesparte Kapital, als einige Banksparpläne das tun, die ich bereits in den Fingern hatte. Hier hat man allerdings wieder das Problem, legalem Betrug aufgesessen zu sein, denn klassische Rentenversicherungen sind letztlich nichts anderes als Kapitallebensversicherungen, die ihren Schwerpunkt auf der ratierlichen Auszahlung haben, statt auf der Todesfallabsicherung.
  • Fondssparpläne haben die gleiche Grundproblematik wie Banksparpläne. Auch hier wird das gebildete Kapital wie beschrieben geteilt, was einen beachtlichen Wertverlust bedeutet.
  • Die Investition in Pensionskassen, Pensionsfonds oder Direktversicherungen sollte man meines erachtens der betrieblichen Altersvorsorge überlassen. Letztlich sind es aber auch Rentenversicherungen, die Anlageformen außerhalb der Versicherung überlegen sind.
  • Fondspolicen sind Fondssparpläne in einem Versicherungsrahmen. Sie haben einen Rentenfaktor, der in guten Produkten mindestens zu 50 % garantiert ist. Das zum Rentenbeginn aufgelaufene Kapital wird also zu einem zu Anfang der Ansparzeit bereits festgelegten Wert verrentet und man braucht nicht den Weg der Kapitalteilung zu gehen.
  • Wie bei der Rüruprente sind bei mir intelligente Fondspolicen erste Wahl. Geht der Börsenkurs nach oben, wird möglichst in Aktien investiert. Gehen die Kurse nach unten wird in festverzinsliche Wertpapiere investiert, was derzeit etwa 4 % Rendite bedeutet. Dieses Umschichten erfolgt börsentäglich, so als hätte man seinen persönlichen Portfoliomanager. Diese intelligenten Fondspolicen, die derzeit in unterschiedlichen Varianten von drei Gesellschaften angeboten werden, vereinen möglichst hohe Sicherheit und möglichst hohe Rendite.
Advertisements

The URI to TrackBack this entry is: https://sparschweintankwart.wordpress.com/2010/08/10/tipps-zu-riester-und-rurup/trackback/

RSS feed for comments on this post.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: