Wie sicher ist ihr Geld in ihrer Lebensversicherung?

Was gerne geglaubt wird ist, dass Kapitallebensversicherungen besonders sichere Geldanlagen sind. Stimmt das denn? Können Lebensversicherungen wirklich nicht pleite gehen und das Geld ist bombensicher und renditestark angelegt?

Schon 1995 warnte die Presse vor der Geldanlageform der Kapitallebensversicherung. Der Spiegel brachte 1998 den Artikel Lebensversicherungen – Legaler Betrug? Hans Dieter Meyer vom Bund der Versicherten hat damals sogar vor Gericht erstritten, dass der dieser Form der Geldanlage so nennen darf. Warum legaler Betrug?

Es ist eine Frage des Umgangs mit den Geldern der Kunden. Eine Kapitallebensversicherung nutzt die Beiträge der Sparer vereinfacht gesagt für drei Dinge: Zum absichern des Todesfallrisikos und zum Kapitalaufbau für den Kunden. Als drittes dienen die Beiträge um Profit zu erwirtschaften. Das an sich ist legitim, da Versicherungen Wirtschaftsunternehmen sind und keine mildtätigen Hilfsorganisationen. Nur die Art wie sie es tun, ist legaler Betrug. Den Kunden wird ein Garantiezins bescheinigt und eine Überschussbeteiligung versprochen. Nur wird nicht gesagt, was denn tatsächlich garantiert verzinst wird, wie realistisch Überschüsse erwirtschaftet werden können und wieviel der Kunde davon überhaupt abbekommt.

Bei vielen Altverträgen ist ein Garantiezins von 4 % festgeschrieben. In der Regel kann ein unabhängiger Treuhänder diesen Garantiezins aufgrund der wirtschaftliche Lage des Versicherungsunternehmens nach unten anpassen. Die Garantie kann also im Notfall auch kleiner ausfallen. Gute moderne Fondspolicen verzichten übrigens auf diese Treuhänderklausel.

Seit 2001 wurden die Garantiezinsen für Neuverträge kontinuierlich gesenkt. ab es im Jahr 2000 noch 4 % Garantiezins, waren es 2001 noch 3,25 %, 2004 zum absoluten Börsentief der damaligen Krise nach dem Zusammenbruch des Neuen Marktes und des 11. September wurde auf 2,75 % Garantiezins abgesenkt. Soweit kann man das verstehen, wenn man berücksichtigt, dass Versicherungsnbternehmen in erster Linie ihre Aktionäre bedienen und erst an zweiter Linie ihre Kunden. 2007 , zum absoluten Börsenhoch, wurde der Garantiezins in guter wirtschaftlicher Lage nicht angehoben, sondern weiter auf 2,25 % gesenkt. Das ist ein deutliches Anzeichen, dass den Versicherern die Garantiezusagen zu teuer sind und die eigene wirtschaftliche Situation schon damals nicht so rosig aussah, wie von der Branche selbst gern dargestellt wurde.

Die Überschussbeteiligungen sinken mit den Garantiezinsen. Wurden in den 90er Jahren in Kapitallebensversicherungen noch mehr als 7 % an Überschussbeteiligung den Kunden gutgeschrieben, sind es heute oft weniger als 4 %. Die Beteiligung an den stillen Reserven funktioniert oft nicht wie prognostiziert, weil die Versicherer schonmal ihre stillen Reserven als verlustträchtige Steuerabschreibungen einsetzen. Bei Verlust bleibt kein Gewinn für die Kunden, nur der Steuervorteil der Gesellschaften.

Die Rückkaufswerte wurden gerade in der Zeit zwischen  1996 und 2004 zu Ungunsten der Versicherten berechnet, teilweise mit so haarsträubenden Aussagen, dass man bei Kündigung keinen Anspruch auf die gezahlten Beiträge hätte. Wer also seine Versicherung aus diesem Zeitraum gekündigt hat, bekam kaum etwas heraus. Dagegen wurde geklagt, den Kunden Recht gegeben und ganz frisch ist es amtlich: Die Versicherungen brauchen ihre fehlerhaften Rechnungen nicht rückwirkend zu korrigieren, da nach inzwischen fünf Jahren die Ansprüche verjährt sind. Wer ahnungslos war, hat Pech gehabt. Den Versicherern in Deutschland erspart das, rund 35 Milliarden Euro auszukehren.

Als letztes bleibt die Ahnungslosigkeit vieler Kunden über den Betrag, der überhaupt verzinst wird. Wenn beispielsweise  ein Altvertrag mit einem Monatsbeitrag von 200 Euro bespart wird, entfällt ein Teil auf die Todesfallabsicherung, was verständlich ist, ein weiterer Teil auf die Verwaltungskosten, was auch verständlich ist, weil eben die Angestellten bezahlt, die laufenden Betriebskosten bezahlt und nicht zuletzt, sondern ganz vorne die Aktionäre bedient werden müssen. Aus unserem Vertrag, der mit 200 Euro bespart wird, wird damit ganz schnell einer, in dem lediglich 138 Euro dem Vermögensaufbau gutgeschrieben werden. Da jede Gesellschaft diese Kalkulation anders aufstellt, kann die tatsächliche Verzinsung im Einzelfall sogar bei nur 1,1 % liegen. Liegt die Inflation über dieser Rendite, macht man sogar ein Verlustgeschäft.

Als Fazit kann ich nur betonen, dass die klassische Lebensversicherung als Geldanlage unrentabel und zum Vermögensaufbau ungeeignet ist. Die wirtschaftliche Entwicklung macht den Versicherern nicht nur in Krisenzeiten zu schaffen und ob die garantierten Werte auch so eintreffen, steht in den Sternen – die Überschussbeteiligungen tun es jetzt schon nicht. Bei Fondspolicen, also der Börseninvestition im Rahmen einer Versicherung, sieht das in der Regel deutlich anders aus, aber da reden wir auch über zwei völlig verschiedene Paar Schuhe. Das wäre wieder einen eigenen Beitrag wert.

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6 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. […] tun, wenn man legalem Betrug aufgesessen ist? Ich habe im vorherigen Artikel geschrieben, warum es unsinnig ist zu versuchen mit Hilfe einer Kapitallebensversicherung einen […]

  2. Nicht zu vergessen die erheblichen Abschlusskosten (= Provision für den Verkäufer) die am Anfang der Vertragslaufzeit anfallen.

    • Die bewegen sich in der normalen Größenordnung banküblicher Bearbeitungsgebühren. In den ersten Jahren kommen die natürlich dazu. Aktuell hat ein Versicherungsvermittler sein Geld erst dann verdient, wenn der Vertrag fünf Jahre Bestand hat. Über diesen Zeitraum werden die Abschlusskosten gestreckt. Das ist gut für den, der die Versicherung abgeschlossen hat, denn so ist vom ersten Jahr an ein Guthaben vorhanden und nicht wie in der Vergangenheit die ersten beiden Jahre ein Minus vor dem Wert für das Guthaben.

  3. […] das tun, die ich bereits in den Fingern hatte. Hier hat man allerdings wieder das Problem, legalem Betrug aufgesessen zu sein, denn klassische Rentenversicherungen sind letztlich nichts anderes als […]

  4. Garantiezins für Lebensversicherungen bald im Keller?…

    Lebensversicherungen galten einstmals als krisensichere Geldanlage und viele Bürger haben Monat für Monat in ihre Kapitallebensversicherung eingezahlt. Die hohen Kosten haben viele Kritiker auf den Plan gerufen – dennoch war die kapitalbildende L…

  5. Kommt das Aus für den Garantiezins bei Lebensversicherungen?…

    Sparen mit Rendite, dies spielt auch zum Ende dieses Jahres eine wichtige Rolle. Ein zweites wichtiges Thema ist die Altersvorsorge, um im Rentenalter versorgt zu seine. Viele Menschen haben deshalb eine Kapitallebensversicherung abgeschlossen – um Gel…


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