Das Sicherheitsbedürfnis und die Krise

Eben habe ich bei Cash.online wieder eine Blüte eines seltsamen Phänomens aus der aktuellen Finanzkrise entdecken können: Die Riesterrente. OK, das ist jetzt nichts besonderes. Dass man riestern sollte, wenn man darf ebenfalls nicht, aber die Art der Riesterrente, das Produkt des Anbieters HDI Gerling und wie es in dem Artikel beworben wird, macht mich doch stutzig.

Die Two Trust Familie des Anbieters kenne ich und bis Anfang 2008 habe ich sie auch gerne angeboten. Sie war innovativ, hat den Sicherheitsaspekt mit einem Schuss Rendite verbunden, so dass man am Ende auch mit mehr als dem eingezahlten Kapital rechnen konnte. Das ist ein typisches Hybrid-Produkt, eine Kombination aus klassischer kapitalbildender Rentenversicherung und einer Fondspolice, bei der an der Börse investiert wird um mehr Rendite als die garantierten 2,25 Prozent zu erwirtschaften. Mit dem Klassik-Produkt macht HDI Gerling einen Rückschritt. Es wird ein höherer Garantiezins angeboten, der Anteil an kapitalbildender Rentenversicherung wird dabei aufgebläht und der Anteil an Fondspolice verkleinert.

Das Dumme ist nur: Garantien kosten viel Geld. Es wird also mehr Geld „auf die hohe Kante“ gelegt, um den Garantiewert zu garantieren, als für diese Summe notwendig wird, während für den renditeträchtigen Anteil nur noch wenig Platz bleibt. Wie das beim Two Trust Klassik-Produkt aussieht, weiß ich noch nicht exakt, werde ich aber herausfinden. Bei einem vergleichbaren Produkt von der Provinzial hatte ich neulich einen Vertrag in der Hand, bei dem lag der Aktienanteil bei gerade noch 2,9 Prozent. Von 100 Euro Monatbeitrag werden also bei der Provinzial gerade mal 2,90 Euro in Fonds angelegt. Von diesen 2,90 Euro muss man noch etwa 23 Cent für die Verwaltung und den Kauf der Fonds abziehen. Somit bleiben dort noch 2,67 Euro, die renditeträchtig zwischen -55 Prozent in 2008 und +22 Prozent in 2009 einfahren, also 7,08 Euro im kompletten Jahr 2009 im Renditeanteil. Was für ein Kracher!

Was ähnliches sieht man im Bereich der Banken. Da werden Renditen von 0,X Prozent gezahlt und den Kunden suggeriert, dass höhere Renditen unseriös seien. Gleichzeitig wird weiterhin das Geld der Kunden seitens der Bank für mehr als 10 Prozent angelegt. Hat man also Festgeld für 5 Jahre zu einem Zinssatz von sagenhaften 2 Prozent, so macht die Bank einen Gewinn von mindestens 8 Prozent. Wer seinen Dispokredit nutzt, der ist schnell bei 12 Prozent angekommen, die sich die Bank einverleibt, macht gegenüber dem Sparzins einen Gewinn von 10 Prozent. Wie war das? Renditen über 2 Prozent sollen unseriös sein?

Fazit: Die Krise wird von Banken und Versicherungen derart ausgenutzt, dass nicht die Kunden verdienen, sondern die Gesellschaften. Schlechte Produkte werden vorsätzlich platziert, nur um Sicherheit vorzugaukeln, die von den Gewinnen der Banken und Versicherungen ablenken. Selbstverständlich wollen und dürfen die Geld verdienen, schließlich sind die keine gemeinnützigen und mildtätigen Organisationen, sondern gewinnorientierte Unternehmen, aber eine gewisse Ausgewogenheit zwischen dem Gewinn der Kunden und dem Gewinn der Gesellschaften muss einfach gegeben sein. Die Kunst des Finanzplaners besteht heutzutage nicht mehr hauptsächlich darin, sichere Anlageformen zu finden, die mehr als 2 Prozent bringen, die gibt es reichlich. Die Aufgabe besteht in erster Linie im Kampf gegen die Werbung, die Kunden zu Melkvieh degradiert.

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