Steckt ihr Vermögen in der Krise?

Gestern war ich auf den Treffen einer XING-Gruppe, wo es unter anderem einen Vortrag zum Thema „Steckt ihr Vermögen in der Krise?“ gab. Das Thema ist hochinteressant, denn es geht dabei um eine ganze Menge wichtiger Faktoren, die sich auf die aktuelle Weltwirtschaft auswirken. Das reicht vom realen Wert von Sachwerten über hochgradige Spekulationen und damit verbundenen Manipulationen bis zum emotionalen Verhalten von Anlegern wider alle Vernunft. Der Day Trader, mit dem ich mich im Vorfeld unterhielt, war von dem Thema ebenso angetan wie ich und wir waren in freudiger Erwartung ob der neuen Erkenntnisse. Der Vortrag begann…

Dem Referenten merkte man an, dass ihm sein Doktortitel sehr wichtig war. Bei seiner Vorstellung stellte sich dann heraus, dass er ein promovierter Landwirt ist, der seit gut einem Jahrzehnt für einen großen Finanzdienstleister tätig ist. Gut, das allein sagt nicht viel, schließlich sind Intelligenz und Wissen nicht von akademischen Titeln abhängig. Er stellte als nächstes das Unternehmen vor, für das er tätig ist, was ich auch noch für legitim halte, jedoch im Zusammenhang mit dem Thema des Vortrages nur am Rande interessiert. Wenn er das aber schon ausführlich tut, hätte ich es allerdings richtig gefunden, wenn er nicht nur erwähnt, an wievielen Gesellschaften sein Konzern beteiligt ist, sondern auch wieviele Großkonzerne relevante Anteile an seinem Unternehmen halten und der hochgehaltenen Unabhängigkeit eine deutliche Richtung vorgeben.

Naja, was dann folgte, war hochgradig ernüchternd und spätestens hier wurden unsere Erwartungen kastriert. Wir bekammen eine Darstellung von anlagestrategischen Allgemeinplätzen, Grundlegendem, was bei der Finanzplanung zu beachten ist und kaum verhohlene Werbung für das Unternehmen, für das der Referent tätig ist. Im Kern war seine Strategie schon richtig, wobei ich mich ernsthaft gewundert habe, wie jemand heute noch Medienfonds und Schiffsfonds zu den Steuersparmodellen zählt – der Verlustvortrag ist seit 2006 nicht mehr möglich. Am Ende schien der Referent das Publikum beeindrucken zu wollen, indem er ein Leistungsbeispiel bachte, das etwas über den Anlagemöglichkeiten der anwesenden Normalverdiener lag: Es galt ein Kapital von 3,5 Millionen Euro in ein monatliches Einkommen von 10.000 Euro umzuwandeln. Parallel zu seinen Ausführungen habe ich stumpf mit dem Taschenrechner gerechnet: Würde ich alles auf eine Karte setzen, könnte ich daraus konservativ investiert zu sofort eine monatliche Kapitalauszahlung von 16.500 Euro machen. In 20 Jahren wäre sein Guthaben dabei auf rund 3,7 Millionen Euro angewachsen. Wir reden also allein hier schon über round about 6,3 Millionen Euro und ich habe noch nichtmal mein Planungshirn angewärmt. Der Kollege klopfte sich dann verbal auf die Schulter indem er in seinem Konzept nach 20 Jahren auf etwas mehr als 6,8 Millionen Euro kam, wobei ein bedeutender Teil des Kapitals danach aufgezehrt wurde. Das hat mich angespornt, ein Minikonzept in der Rohfassung zu überschlagen: Bei einer kontinuierlichen monatlichen Auszahlung von 10.000 Euro ab sofort, komme ich in 20 Jahren auf ein verfügbares Kapital bei vorsichtigen Renditeerwartungen von ungefähr 16 Millionen Euro. Das hat mich wieder zufrieden gestimmt und erklärt, warum ich inzwischen mehrere zufriedene Mandanten habe, die dem Unternehmen des Referenten wegen zu hoher Kosten und zu geringer Rendite den Rücken gekehrt haben. OK, das war jetzt Eigenwerbung, aber nach der Werbeveranstaltung von gestern abend halte ich das nur für legitim…

Jetzt weiß ich also, wie die grundsätzliche Finanzplanerstellung des Kollegen aussieht (OK, das wusste ich auch vorher schon…). Nur über diese in Zusammenhang mit den aktuellen wirtschaftlichen Ereignissen habe ich nichts erfahren, nichtmal Altbekanntes. Sorry lieber Kollege, Thema verfehlt.

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Published in: on 2. Juni 2010 at 09:08  Schreibe einen Kommentar  
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